Myxomyceten

 

Myxomyceten

Im 17. Jahrhundert fanden die Myxomyceten oder Schleimpilze erstmals in der Wissenschaft Erwähnung und wurden nach dem damaligen Kenntnisstand aufgrund ihres Aussehens zu den Pilzen gezählt (RAY, 1660). Im 18. Jahrhundert reifte die Erkenntnis, dass es sich hier nicht um Pilze, sondern um eine eigene Organismengruppe handelt (MICHELI 1729) - weisen sie doch in ihren verschiedenen Lebenszyklen Eigenschaften von Tieren und von Pflanzen auf.

Als ANTON DE BARY sich im Jahr 1859 mit dieser Spezies befasste, ordnete er sie aufgrund seiner Beobachtungen den Tieren zu und nannte sie Pilzthiere oder Mycetozoa. Mitte des 20. Jahrhunderts wurden sie wieder in die Nähe der Pilze gerückt und schließlich zu den Protisten gezählt. Die Taxonomie dieser außergewöhnlichen Lebewesen ist jedoch immer noch im Umbruch, da keine der bisherigen Zuordnungen der Sache gerecht wird. Mit am Wenigsten gerechtfertigt ist die Bezeichnung „Schleimpilze“, die sich aber bis heute durchgesetzt hat und wohl auch auf absehbare Zeit die Welt der „Plasmodial-Amöben“ (L.KRIEGLSTEINER 1983) bezeichnen wird.

Als kleine, fast unsichtbare amöbenartige Wesen werden sie geboren, bewegen sich auch wie diese fort und paaren sich geschlechtlich. In der Folge entwickeln sie sich als eine einzige große Plasmamasse (Plasmodium) mit Millionen von Zellkernen, die sich immer wieder synchron teilen und somit exponentiell anwachsen. Schleimpilze existieren ein Leben lang als die Einzeller, als die sie geboren wurden.

Als glibberige Masse wabern sie über feuchten Untergrund und haben nur ein Ziel: Fressen und Wachsen. Alles Organische ist hierbei willkommen: Bakterien, Einzeller, Pilze – auch tote Insekten werden mitunter nicht verschmäht. Beliebte Habitate sind im Zerfall begriffene Baumstümpfe oder auch Komposthaufen und faulendes Laub. Manche Myxomyceten erstrecken sich in der plasmodialen Phase über ein paar Quadratzentimeter, andere über einen halben Quadratmeter oder mehr. In diesem Stadium sehen sich viele Myxomyceten sehr ähnlich; Gattung und Art können in der Regel noch nicht bestimmt werden.

Irgendwann verformt sich diese Zelle, trocknet allmählich ein und umgibt die reifenden Sporen. Dabei entstehen je nach Größe des Plasmodiums einige wenige bis mehrere Tausende sogenannte Fruktifikationen, die mit dem eingetrockneten Rest des Plasmodiums fest auf dem Untergrund haften, und nun wie Pflanzen ganz ortsgebunden sind. Farben, Formen und innere Strukturen sind vielfältig und oft von einzigartiger Filigranität und Schönheit.

Nun sind auch Gattung und Art bestimmbar. Die Abgrenzung innerhalb einer Gattung ist neben Farben und Formen oftmals nur durch winzige Nuancen, die im Mikrometerbereich liegen, gegeben. Faden- oder Kalkstrukturen auf und in den Fruchtkörpern oder Größe und Oberflächenstrukturen der Sporen definieren die einzelnen Arten; ihre Erkennung ist zumeist nur mithilfe eines Mikroskops möglich.

In diesem Stadium tragen die Schleimpilze mit Sporen zu ihrer Vermehrung bei. Aus diesen entstehen dann wieder die einzelligen Amöben - die nächste Generation im Schleimpilzleben. Dass sich auch oftmals pilzförmig aussehende Strukturen bilden, hat ihnen u.a. den Namen Schleimpilze eingebracht. Durch ihre bizarre Lebensform mit dem Wechsel vom beweg-ten tierischen Amöbenleben in die Welt der stationären pflanzlichen Sporenträger bleiben die Schleimpilze eine einzigartige Spezies unter den Lebewesen. Man findet sie zu allen Jahreszeiten. Manche bevorzugen die Sommermonate, andere fühlen sich in der kalten Jahreszeit wohler; nicht wenige wachsen das ganze Jahr über.

 

 

 


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